FF-Übung deckt Sicherheitsdefizite auf
Osterhofen. "An alle an der Gemeinschaftsübung in Osterhofen teilnehmenden Wehren: Angenommenes Brandobjekt ist die Unterkunft für Asylbewerber an der Bahnhofsstraße. Zimmerbrand mit starker Rauchentwicklung, mehrere Personen vermisst. Bereitstellungsraum im Übungshof des Rettungszentrums. Anfahrt mit Sondersignal": Nach dieser Funkmeldung sind am Freitag Abend insgesamt 103 Feuerwehrleute aus Osterhofen, Altenmarkt, Aicha/Donau, Arbing, Wisselsing, Langenamming, Winzer, Thundorf und Künzing ausgerückt, um das gemeinsame Vorgehen zu üben.
Das Szenario wurde vom stellvertretenden Osterhofener Kommandanten Hans Ecker geplant, welcher auch die Einsatzleitung bei der Übung hatte. Der angenommene Zimmerbrand wurde im zweiten Obergeschoss der Flüchtlingseinrichtung lokalisiert. Nachdem das Gebäude mit den 89 Heimbewohnern evakuiert worfden war, stellte sich heraus, dass elf Personen inklusive Betreuer, vermisst werden. Bei deren Rettung kamen Atemschutzträger zum Einsatz. Trupps der Feuerwehren Altenmarkt und Thundorf gingen von der Vorderseite ans Werk, Trupps aus Osterhofen, Künzing und Winzer drangen von der Rückseite in das Gebäude ein. Innerhalb von 26 Minuten waren alle elf Personen gefunden und gerettet.
In einem Fall war der Rettungsweg nach innen versperrt, so dass die Rettung über die Drehleiter durch das Fenster erfolgte. Aus Sicherheitsgründen wurde diese vermisste Person durch eine Puppe ersetzt. Bei der Versorgung der "Verletzten" erhielten die Feuerwehrler tatkräftige Unterstützung durch die Heimbewohner.
Um das Feuer zu bekämpfen und eine Ausbreitung zu verhindern, bauten die Feuerwehrler eine Löschwasserversorgung mit drei B-Schlauch-Leitungen auf. Die Wehren aus Altenmarkt, Arbing und Langenamming verlegten eine Leitung vom Unterflurhydranten neben der Fahrschule Flieger her. Einen weiteren Unterflurhydranten zapften die FF Aicha/Donau, Thundorf und Wisselsing in der Nähe der Stadtwerke an. Die dritte 240 Meter lange Leitung verlegte die Feuerwehr Osterhofen mit einer Schlauchtrommel vom Oberflurhydranten beim Rettungszentrum.
Die Brandbekämpfung von oben erfolgte von der Drehleiter aus mit Verwendung eines Wendestrahlrohrs. Wegen der Nähe zu den Bahnschienen war hierbei große Vorsicht geboten. Sollte der Sprühnebel bei den Starkstromleitungen zu dicht werden, bestünde laut Kreisbrandmeister Altschäfl die Gefahr eines Kurzschlusses.
Nach Beendigung versammelten sich die Teilnehmer im Hof des Rettungszentrums zur abschließenden Übungsbesprechung. Einsatzleiter Hans Ecker bedankte sich bei der Heimleitung, den Bewohnern sowie allen Beteiligten und zog ein positives Resümee.
Zwar hätte die Wasserversorgung etwas schneller aufgebaut werden können, sei mit 20-minütiger Dauer aber in Ordnung gewesen. Der primäre Fokus g habe auf der Personensuche gelegen. Diese war in dem schwierigen Objekt nach nur 26 Minuten erfolgreich abgeschlossen und verlief somit sehr gut.
Als offizieller Beobachter der Übung war Kreisbrandmeister Xaver Altschäfl anwesend. Er lobte die hervorragende Vorbereitung der Einsatzleitung und die gute Zusammenarbeit der wehren. Altschäfl wies darauf hin, dass Schlauchleitungen, wenn möglich, am Straßenrand verlegt werden sollen, um die Zufahrtswege für Rettungs- und Einsatzfahrzeuge nicht zu blockieren.
Harsche Kritik übte der Kreisbrandmeister wegen diverser gravierender Mängel am Gebäude selbst. So verfüge das Heim über keinen internen Hausalarm, der bei einem Gebäude dieser Größenordnung mit über 200 Bewohnern bei Maximalbelegung normalerweise mehr als nützlich wäre. Auch fehle eine gekennzeichnete Sammelstelle, an der sich die Bewohner im Ernstfall einfinden, um eventuelle Vermisste feststellen zu können. Der Notausgang über die Leiter an der Rückseite führe in eine Umzäunung, was unbedingt berichtigt werden müsse. Diese noch einige andere Mängel seien seit Monaten bekannt, aber noch nicht behoben worden.
Der Schichtleiter Ahmed Hamad, Hausmeister Ferdinand Bayer und Betreuerin Carola Koller waren beeindruckt von der flüssigen Zusammenarbeit der Feuerwehrfrauen und -männer und sprachen innen ihren Respekt aus. Sie bedankten sich für die Übung generell und besonders für das Retten einiger auf dem Dach festsitzender Bälle.− ajs
Quelle: Osterhofener Zeitung